Grosse Gemeinschaft am Rande der Gesellschaft

Die Gemeinschaft der Kagina Potters lebt im Kamonyi Distrikt und besteht zurzeit aus 106 Familien. Die Töpfer von Ruanda betreiben seit Jahrhunderten dieses Handwerk, welches ab dem 15./16. Jahrhundert den Waldbewohnern als einzig zulässiger Erwerbszweig zugewiesen wurde. Heute leiden die Töpferinnen Ruandas stark unter den leichteren und in etwa gleich teuren Kunststoff- und Aluminium-/Metall-Alternativen. Die untenstehenden traditionellen Töpfe werden auf dem lokalen Markt einmal die Woche für CHF 0.60 verkauft – und finden trotz des tiefen Preises kaum Abnehmende.

Die Töpfer, welche offiziell zu den “Ärmsten der Armen” gehören, haben in der Folge versucht, vom Gebrauchsgegenstand weg in den Bereich Kunsthandwerk zu wechseln.

Diese Produkte lassen sich aber nur in der Hauptstadt Kigali verkaufen, wo die Mittel- und Oberschicht zu Hause respektive die Touristen und Touristinnen zu finden sind. Mangels motorisierter Fahrgelegenheit müssen sie einen vierstündigen Fussmarsch unternehmen. Ihre Produkte verkaufen sie dort für CHF 6.-.

Huhn & Ei

Für die Kagina Potters Gemeinschaft sind Hunger und Mangelernährung ein häufiges Problem. Da die traditionelle Töpferei insbesondere in den letzten Jahren zu wenig abwirft, entschloss sich die Gemeinschaft, in neuen Erwerbszweigen aktiv zu werden. 2017 gründeten 20 Mitglieder der Gemeinschaft eine Genossenschaft, um eine Hühnerproduktion zu lancieren. Deren Ziele waren und sind:

– Bekämpfung von Mangelernährung durch die Produktion von Eiern und Fleisch sowie die Verwendung des Hühnerkots für den Gemüseanbau.

– Einkommensgenerierung.

Jedes Gemeinschaftsmitglied hat mindestens drei Hühner erhalten und sich dadurch an der Produktion beteiligen können. Innert eines halben Jahres konnte/musste der ursprüngliche Hühnerstall verdreifacht werden und aus den ursprünglich 20 Hühnern sind 80 geworden. 100 Küken werden jetzt aufgezogen und gegen 1000 Eier ausgebrütet.

Die ursprünglichen Zweifel einiger Gemeinschaftsmitglieder haben sich dank des offenbaren Erfolgs gelegt.

Backstein-Produktion

Der Erfolg der Hühnerproduktion hat die Gemeinschaft dazu bewogen, ein weiteres Geschäftsfeld zu betreten: Die Herstellung von Backsteinen und Dachziegeln. Da die Arbeit mit Lehm und Ton zu ihrem traditionellen Handwerk gehört, brauchen sie lediglich Ausbildung mit Bezug auf die Maschinenbenutzung.

Auf dem Land respektive in den Dörfern ist es erlaubt, mit luftgetrockneten Backsteinen zu bauen. In Kigali hingegen hat die Regierung diese verboten. Es besteht folglich eine grosse Nachfrage nach gebrannten Backsteinen. Von einem südkoreanischen Gönner hatten Kagina Potters hydraulische und elektrische Maschinen zur Herstellung von Backsteinen erhalten. Die hydraulischen Maschinen sind nicht schlecht, können aber aus dem Lehm zu wenig Wasser herauspressen. Für die elektrischen Maschinen fehlte den Kagina Potters der Strom, da ein Anschluss zu teuer war. Mit dem Restbetrag aus der Hühnerproduktion konnte dieser Anschluss finanziert werden.

Produktionsweise:

1. Lehm wird vorbereitet, 2. maschinell zu Backsteinen gepresst, 3. getrocknet und 4. gebrannt.

Um die Erosion zu bekämpfen und die Wiederaufforstung möglich zu machen, hat die Regierung 2005 das professionelle Brennen von Backsteinen mit Holz verboten. Entsprechend würden die Öfen mit pflanzlichem Abfall befeuert.

Der Lehm stammt vom Nyabarongo Sumpfland, welches die Regierung der Gemeinschaft zur Verfügung stellt. Alles Sumpfland gehört der Regierung und wird von dieser verwaltet. Falls die Produktion die erhofften Zahlen erreicht, wird man Zugang zu weiterem Sumpfland benötigen. Da die Regierung hinter dem Projekt steht, sollte dies aber keine Probleme bereiten. Mit beiden Maschinen denken sie, mehrere tausend Backsteine pro Monat herstellen zu können.

Zu Beginn wollen sie mit 12 ausgebildeten und 18 Hilfskräften arbeiten, welche primär aus der Gemeinschaft und sekundär der Umgebung rekrutiert werden. Die Arbeiter werden sie innerhalb der Gemeinschaft ausbilden. Da die Schulabbruchrate in dieser Gemeinschaft relativ hoch ist, wären diese insgesamt 30 Arbeitsplätze ein bedeutender Schritt aus der Armut.

Keramik-Produktion

Um einen grösseren Mehrwert für ihre Arbeit zu generieren, ist nun das Projekt Keramik-Produktion lanciert worden.

Aufbauend auf der langen Tradition des Töpferhandwerks werden einzelne Mitglieder in der Herstellung von Keramikprodukten geschult, die für die touristische Nachfrage aber auch für Hotels und Restaurants hergestellt werden sollen.

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