Modern, kreativ, zukunftsorientiert

Aufbauend auf der langen Tradition des Töpferhandwerks haben die Best Potters seit nunmehr einem Jahr begonnen, junge Mitglieder ihrer Gemeinschaft in der Herstellung von Keramikprodukten zu schulen.

Das Ziel ist es, für die touristische Nachfrage und für Privathaushalte, aber auch für Hotels und Restaurants hoch qualitative Produkte herzustellen. Das traditionelle Handwerk ist weit verbreitet, hat jedoch zunehmend Mühe, verkauft zu werden. Mit der modernen Ausbildung und Technik wollen die Best Potters die ersten sein, die diese Qualität in Ruanda anbieten können.

Das aktuelle Projekt, welches einen bedeutenden Schritt in eine selbstbestimmte Zukunft darstellt.

Ausbildungs- und Produktionszentrum

Während drei Jahren werden zurzeit 10 junge Erwachsene der Gemeinschaft der Kagina Potters zu professionellen. Töpferinnen und Töpfern ausgebildet.

Diese Ausbildung stellt eine ausgesprochen attraktive Möglichkeit dar, ein wertvolles Handwerk zu erlernen und in Zukunft auf eigenen Beinen zu stehen. Die hohe Schulabbruchrate und die ausgeprägte Arbeitslosigkeit sollen langfristig durch die Errichtung der ersten offiziellen Schule für Töpferhandwerk in Ruanda bekämpft werden.

Die Ausbildung wird zurzeit vollumfänglich durch COERESO finanziert. Dies gilt auch für die Essen der Auszubildenden, da diese sich ansonsten den Verzicht auf bezahlte Arbeit nicht leisten könnten.

Angesichts des grossen Interesses an qualitativ hochstehender Keramik aus einheimischer Handwerksproduktion (“Made in Rwanda”), ist der nächste Schritt der Ausbau der Produktionskapazitäten. Der aktuelle Ofen reicht gerade mal aus, die im Rahmen der Ausbildung hergestellten Produkte zu brennen. Indem aber die Lehrlinge des zweiten und dritten Jahres sowie die dann Ausgebildeten Produkte für den Verkauf herstellen würden, könnte ein bedeutender Beitrag zur Finanzierung der Schule selber und zur Bekämpfung der Armut durch die Schaffung von Arbeitsplätzen geleistet werden.

Dieser nächste Ausbauschritt bedarf der externen Unterstützung insbesondere für einen leistungsstarken grossen Brennofen und für technisches Material, welches eine grössere Palette an Produkten und grössere Stückzahlen möglich machen.

Geschichte & Gegenwart

Grosse Gemeinschaft am Rande der Gesellschaft

Die Gemeinschaft der Kagina Potters lebt im Kamonyi Distrikt und besteht zurzeit aus über hundert Familien. Die Töpfer von Ruanda betreiben seit Jahrhunderten dieses Handwerk, welches ab dem 15./16. Jahrhundert den Waldbewohnern als einzig zulässiger Erwerbszweig zugewiesen wurde. Heute leiden die Töpferinnen Ruandas stark unter den leichteren und in etwa gleich teuren Kunststoff- und Aluminium-/Metall-Alternativen. Die untenstehenden traditionellen Töpfe wurden bis anhin auf dem lokalen Markt einmal die Woche für CHF 0.60 verkauft – und fanden trotz des tiefen Preises kaum Abnehmende.

Die Töpfer, welche offiziell zu den “Ärmsten der Armen” gehören, haben in der Folge versucht, vom “günstigen” Gebrauchsgegenstand weg in den Bereich Kunsthandwerk zu wechseln.

Diese Produkte lassen sich aber nur in der Hauptstadt Kigali verkaufen, wo die Mittel- und Oberschicht zu Hause respektive die Touristen und Touristinnen zu finden sind. Mangels motorisierter Fahrgelegenheit müssen sie einen vierstündigen Fussmarsch unternehmen. Ihre Produkte verkaufen sie dort für CHF 6.-.

Huhn & Ei

Für die Kagina Potters Gemeinschaft sind Hunger und Mangelernährung ein häufiges Problem. Da die traditionelle Töpferei insbesondere in den letzten Jahren zu wenig abwirft, entschloss sich die Gemeinschaft, in neuen Erwerbszweigen aktiv zu werden. 2017 gründeten 20 Mitglieder der Gemeinschaft eine Genossenschaft, um eine Hühnerproduktion zu lancieren. Deren Ziele waren und sind:

– Bekämpfung von Mangelernährung durch die Produktion von Eiern und Fleisch sowie die Verwendung des Hühnerkots für den Gemüseanbau.

– Einkommensgenerierung.

Jedes Gemeinschaftsmitglied hat mindestens drei Hühner erhalten und sich dadurch an der Produktion beteiligen können. Innert eines halben Jahres konnte/musste der ursprüngliche Hühnerstall verdreifacht werden und aus den ursprünglich 20 Hühnern sind 80 geworden. Küken werden den Mitgliedern zur Eierproduktion zu einem erschwinglichen Preis verkauft.

Die ursprünglichen Zweifel einiger Gemeinschaftsmitglieder haben sich dank des offenbaren Erfolgs gelegt.

Backstein-Produktion

Der Erfolg der Hühnerproduktion hatte die Gemeinschaft dazu bewogen, in einem weiteren Geschäftsfeld aktiv zu werden: Die Herstellung von Backsteinen und Dachziegeln. Da die Arbeit mit Lehm und Ton zu ihrem traditionellen Handwerk gehört, brauchten sie lediglich Ausbildung mit Bezug auf die Nutzung der Maschinen.

Auf dem Land respektive in den Dörfern ist es erlaubt, mit luftgetrockneten Backsteinen zu bauen. In Kigali hingegen hat die Regierung diese verboten. Es besteht folglich eine grosse Nachfrage nach gebrannten Backsteinen. Von einem südkoreanischen Gönner hatten Kagina Potters hydraulische und elektrische Maschinen zur Herstellung von Backsteinen erhalten. Die hydraulischen Maschinen sind nicht schlecht, können aber aus dem Lehm zu wenig Wasser herauspressen. Für die elektrischen Maschinen fehlte den Kagina Potters der Strom, da ein Anschluss zu teuer war.

Der Lehm stammte vom Nyabarongo Sumpfland, welches die Regierung der Gemeinschaft zur Verfügung stellte. Alles Sumpfland gehört der Regierung und wird von dieser verwaltet. Hätte die Produktion die erhofften Zahlen erreicht, wäre Zugang zu weiterem Sumpfland benötigt worden. Die Herstellung von mehreren tausend Backsteinen pro Monat war das Ziel.

Zu Beginn wollten die Best Potters mit 12 ausgebildeten und 18 Hilfskräften arbeiten, welche primär aus der Gemeinschaft und sekundär der Umgebung rekrutiert worden wären. Die Arbeiter wären innerhalb der Gemeinschaft ausgebildet worden. Da die Schulabbruchrate in dieser Gemeinschaft relativ hoch ist, wären diese insgesamt 30 Arbeitsplätze ein bedeutender Schritt aus der Armut gewesen. Aufgrund von Infrastrukturproblemen (der angekündigte Stromanschluss am P roduktionsstandort wurde nicht errichtet) und einer sich rapide verändernden Marktstruktur (wo bis anhin nur wenige produzierten, stiessen in kurzer Zeit grosse Player auf den Markt) musste das Projekt zumindest für den Moment auf Eis gelegt werden. Wohl haben wir Geld verloren, haben aber wichtige Lehren ziehen und unsere Kooperation stärken können.

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